Ein Pferd hält seine Nase direkt vor das Objektiv.

Die Frau will gewaltfrei reiten und dabei schön aussehen

Die Frau hat ein neues Projekt: Der Lutschi, das minderjährige spanische Mähnenwunder, soll antiautoritär erzogen werden. Gottseidank bin ich raus aus der Nummer. Von antiautoritär halte ich nämlich nichts. Die Frau soll schon tun, was ich will. Der Lutschi übrigens auch.

„Und wie soll das stattfinden?“, erkundigt sich Frau Reitlehrerin interessiert.
„Harmonisch und gewaltfrei. Und mit der Kraft meiner Gedanken. Das gibt dann eine voll schöne Ausstrahlung“, schwärmt die Frau. „Und dazu brauch ich erstmal gewaltfreies Zubehör. Ich hab schon ganz viele gebisslose Zäumungen angeguckt.“ Und leiser: „Und auch schon das ein oder andere gekauft, aber das braucht der Mann nicht zu wissen.“

Frau Reitlehrerin ist ein großer Freund der gebisslosen Reiterei und des fokussierten Denkens und ist von daher nicht abgeneigt. Da sie die Frau aber schon länger kennt, fragt sie doch mal nach, wie die vom ursprünglichen Konzept „hohe Schule, und zwar fix“ auf dieses neue schmale Brett auf die neue Idee „Reiten wie Winnetous Schwester“ gekommen wäre. Der Mann macht ein eigenartiges Geräusch.
„Lachst du etwa?“, fragt die Frau argwöhnisch.
„Nein, nein“, behauptet der Mann. „Nur so ein Hustenreiz.“
Und wieder zu Frau Reitlehrerin: „Ich will auch gar nicht wie Winnetous Schwester reiten, sondern wie Alizée. Alizée Fromage oder wie die heißt. Mit einem Prinzessinnenkleid. Das sah so schöööön aus im Internet. Und das Pferd hatte nix am Kopf. Außer einem Halsring, der wie eine Perlenkette aussah. Und das will ich auch.“
„Und deshalb hast du ein Kleidchen an und bist barfuß?“, fragt Frau Reitlehrerin.
„Ja, wir wollen Fotos machen“, strahlt die Frau, während der Mann unter der Last der Fotoausrüstung und der mitgebrachten Textilien ächzt. „Pass auf, dass du die Blumengirlande nicht verlierst, die bekommt der Lutschi um den Hals. Das ist nämlich noch gewaltfreier als ein Halsring. Und viel schööööner!“

Mit viel Mühe und noch mehr Mähnenspray wird der Lutschi ordentlich hergerichtet. Die Frau sieht inzwischen wieder aus wie ein Schwein und schlüpft in das nächste mitgebrachte Kleidchen.

„Die Alizée Froment kommt doch eigentlich aus der Sportreiterei, nicht?“, erinnert sich Frau Reitlehrerin, die fasziniert die Vorbereitungen des epochalen Fototermins verfolgt. „Und reitet international Grand Prix.“
„Aber auch diese wunderschönen Shows. Mit Prinzessinnenkleid und Halsring. Ganz harmonisch und ohne Zwang.“
„Du weißt aber schon, dass die Frau Froment dafür hart trainiert, dass sie so reiten kann? Nur aus dem Sitz heraus? So wie wir das im Unterricht auch machen, damit du zügelunabhängig reitest?“
„Wir machen Unterricht, damit ich wie Alizée reite?“
Frau Reitlehrerin kämpft plötzlich auch gegen einen merkwürdigen Hustenreiz.

„Ja wie denn nun? Sagst du mir jetzt endlich, wie das geht?“
Frau Reitlehrerin hat sich gefasst und fragt die Frau, in welcher Reihenfolge die Hilfen gegeben werden. Stichwort Hierarchie der Hilfen und so.
Die erinnert sich schwach. „Erst das innere Bild, dann die Atmung, das Becken, dann das Bein und zuletzt die Hand?“
„Ganz genau“, bestätigt Frau Reitlehrerin. „Wenn man diese Reihenfolge einhält und immer pingelig darauf achtet, dass das Pferd die jeweiligen Lektionen hundertprozentig korrekt ausführt, kann man irgendwann den Zügel weglassen und das Pferd ist weiterhin an den Hilfen. Die Pferde werden immer feiner und man kann die Hilfen immer mehr reduzieren.“
Die Frau lauscht fasziniert und hoffnungsvoll. Man kann förmlich sehen, wie es in ihr arbeitet.
„Klappt das auch bei höheren Lektionen?“ Sollte der Traum wahr werden? Piaffe im Prinzessinnenkleid? Mit Blumengirlande statt spießiger Trense? Nur durch die Kraft der Gedanken und der mystischen Verbindung?
„Nur, wenn du selbst immer hundertprozentig korrekt sitzt. Das Prinzessinnenkleid hat darauf keine Auswirkung.“

Das hatte sich die Frau aber anders vorgestellt. Das mystische Band der Verbindung und Seelenverwandtschaft zu Frau Reitlehrerin wird abrupt gekappt und eine Zornesfalte furcht ihre Stirn. Immer hat sie so tolle Ideen und immer hat irgendwer was daran auszusetzen. Wenigstens dem Lutschi fühlt sie sich ganz nah. Ist halt doch ihr wahres Seelenpferd, der fesche Spanier.

Das Seelenpferd macht einen Ausfallschritt in Richtung ihrer nackten Füße, weil es der Frau ganz nah sein will. Und um mal probehalber ins Kleid zu beißen. „Süß, er will alles mit mir teilen! Ja, da guckt ihr gefühllosen Banausen, was? Schnell, mach ein Foto, das sieht bestimmt ganz romantisch aus!“

Frau Reitlehrerin und der Mann mussten übrigens hinterher versprechen, nie, nie, niemals zu erzählen, dass der Lutschi erst die Blumengirlande gefressen und dann der Frau auf den nackten Fuß getreten hat, weil er das Kameraobjektiv von ganz nahem sehen wollte und sie ihn gewaltfrei und antiautoritär verhauen hat, damit er da wieder runter geht 😊

Bildunterschrift: Der Lutschi von ganz nahem

Lesetipp: Wie man einen Herbstkranz für ein (gelungenes) Foto-Shooting selber macht, findet ihr bei A LIFE WITH HORSES.
Und für Puristen schreibt bei der Pferdeflüsterei ein Fotograf, wie er einfach so schöne Pferdefotos macht.

Ein galoppierendes Pferd vor blühenden Bäumen

Das Garrocha-Dingens

„Ich mach jetzt übrigens dieses Garrocha-Dingens. Du auch“, erklärt mir die Frau gutgelaunt. Ich bin überrascht. Frau Reitlehrerin nicht minder.

Kurze Info: Wir sind mitten in der Reitstunde und beschäftigen uns mit der hohen Reitkunst, sprich: Frau Reitlehrerin versucht, der Frau etwas zu erklären, worauf die aber gerade keinen Bock hat. Ihre neueste Taktik besteht darin, Frau Reitlehrerin in eine Diskussion zu verwickeln und mit überraschenden Informationen zu konfrontieren.
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Ein liegendes Pferd, das lächelt

Keine Piaffe

Keine Piaffe. Noch nicht mal ein Trippeln auf der Stelle. Keine graziösen Traversalen oder Serienwechsel. Und dann noch dieser unbequeme Trab. Warum ist dieses Reiten bloß so scheißschwierig?, fragt sich die Frau stellvertretend für alle Mitleidenden und schiebt eine schwere Sinnkrise. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt auch noch Frau Reitlehrerin dazu.
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Eine Reiterin mit Rädchensporen und Gerte

Hau sie welche, die Sau!

Waldini kennt ihr ja schon. Das ist der, für den die Welt meistens auf dem Kopf steht, weil ihn seine Besitzerin, die ich liebevoll auf den Namen Frau Rollkur getauft habe, genauso reitet. Bei ihrem garstigen Tun wird sie von ihrer Bereiterin unterstützt, die Waldini regelmäßig reitet, „um ihn weiter zu fördern“. Wobei auch sie Waldinis Nase nicht weiter runterziehen kann als bis zur Brust. Komischerweise treten die Hinterbeine dabei aber nicht weiter unter. Verrückt.
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Lutschi1

Der feurige Spanier

Man hört ja so einiges über diese feurigen Spanier und dass die es voll draufhaben. Mit den Mädels und so. Zottelhaare, schmachtende Blicke und Machogehabe und die Frauen fressen essen ihnen aus der Hand. Was eigentlich? Möhren?

Was den Lutschi, unser spanisches Mähnenwunder betrifft, kann ich das nicht bestätigen. Zwar ist er sehr überzeugt von sich und seiner Ausstrahlung. Das kommt anscheinend von der meterlangen Zottelmähne, die an ihm dranhängt. Aber die Mädels finden ihn bestenfalls süß. Faxe und ich haben durch den Lutschi auch den Ausdruck „fremdschämen“ kennengelernt. Wenn er die Frau – wie er meint – leidenschaftlich anblinzelt, holt die sofort die Augensalbe.
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Turnier

Valegros Schwippschwager

Bei uns im Stall ist ein neues Pferd. Waldini heisst er und ist ein Turnierpferd. Das sagt jedenfalls seine Besitzerin. Ihren Namen kann ich mir nicht merken, weshalb ich sie der Einfachheit halber Frau Rollkur nenne. Waldini ist immer in seiner Box, seit er einmal auf der Weide einen Freudenausbruch hatte und beim Bocken aus Versehen ein Hufeisen verlor. Frau Rollkur war nämlich gar nicht darüber erfreut, dass der Schmied nicht sofort und auf der Stelle Zeit für sie hatte (in dem Punkt ähnelt sie der Frau. Die nimmt auch immer alles persönlich.).
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Der Lutschi tut so, als könnte er lesen

Für Euch gelesen: „Muskulatur verstehen – Training optimieren“

Muskulatur verstehen, Training optimieren – ist doch ganz klar, werdet ihr sagen. Wer Muskulatur trainieren will, muss wissen, wie. Egal, ob es die eigenen Muskeln oder die von anderen sind. Nur gut, dass wir hier ein spanisches Mähnenwunder mit Schwabbelbauch Barockpferd haben, dem die Grundprinzipien der sportlichen Ertüchtigung gänzlich fremd sind, weil es den ganzen Tag Siesta macht. Ich habe also gleich mal den Lutschi als Testleser eingespannt, um herauszufinden, wie verständlich und nachvollziehbar das Buch ist.

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Der Lutschi von hinten

Piepsen im Popo

Seit neuestem hat der Lutschi Piepsen im Popo. Weil ihm nämlich die Frau dauernd Fieber misst. Anscheinend ist das spanische Mähnenwunder besonders zerbrechlich und krankheitsanfällig. Dabei ist der Lutschi intellektuell so simpel gestrickt, dass er eine Bazille noch nicht einmal dann erkennen würde, wenn sie ihm laut schreiend in den Hintern tritt.
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Ein schwarzes Pferd schaut in die Kamera. Es trägt ein schickes Halfter in Blautönen.

Solang ich deine Miete zahle, hörst du mir gefälligst zu!

Der Lutschi, unser minderjähriges Mähnenwunder, hat ja lange Zeit geglaubt, sein Name wäre „Nein“, weil das das Wort ist, das er am häufigsten hört (gefolgt von „Aua“ und „Gib das wieder her!“). Die Frau, unsere gemeinsame Besitzerin, sagt, er bräuchte noch viel Erziehung.
Ich selbst gehöre zu der großen Zahl Pferde, deren Nachname „Lass das“ ist. Pfridolin Lass das, Faxe Lass das undsoweiter. Wahrscheinlich sind wir alle miteinander verwandt.
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